
Videoüberwachung in London
London ist eine der bevölkerungsreichsten Metropolen in Europa, in der sich naturgemäß viele Bewegungsrhythmen der Bewohner in der U-Bahn und auf den Straßen und Plätzen abspielen. Entsprechend zeigen Studien, dass die Londoner, im Vergleich zu ihren Landsmännern und -landsmänninen im Südosten Großbritanniens, nur halb so viele Kilometer mit dem Auto fahren, dafür aber zweieinhalb mal so viele Streckenkilometer mit der Eisenbahn vorzuweisen haben. Je mehr Bewegung sich in Räumen des öffentlichen Lebens abspielt, desto höher ist natürlich auch das Risiko einer Gefährdung des Allgemeinwohls durch kriminelle Akte oder terroristische Straftaten. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in London der Ruf nach der Überwachung von öffentlichen Gebäuden, Banken, Flughäfen, U-Bahnen, Sportstätten, Museen, Einkaufszentren und Sammelpunkten immer wieder laut geworden ist. Dieser Ruf wurde erhört und so gibt es schätzungsweise insgesamt fünfhunderttausend Überwachungskameras, die in der Stadt für mehr Sicherheit sorgen sollen. Die Metropolitan Police verfügt über bewegliche Einheiten, die ihnen die Überwachung Verdächtiger auch während eines (Observations-)Einsatzes ermöglichen sollen. Statisten gehen davon aus, dass Londons Bürger täglich dreihundertmal gefilmt werden.
Bleibt die Frage zu klären, ob diese Überwachungssysteme das gewünschte Maß an Sicherheit erbringen und auch gewährleisten können? Dies wird kontrovers diskutiert. Befürworter sagen, dass die Kameras eine abschreckende Wirkung haben und so dazu beitragen Straftaten zu verhindern. Auch können Polizeieinsätze gezielter platziert werden, da eine Lokalisation des Geschehens mittels Kamera viel effizienter ist. Ebenso gibt es kritische Stimmen, die sagen, dass die Privatsphäre der Bürger regelmäßig verletzt wird. Personen können, wie es im Fall des in London lebenden brasilianischen Elektrikers Jean Charles de Menezes im Jahr 2005 tatsächlich geschehen ist - von den Einsatzkräften falsch identifiziert werden und zu Schaden kommen. Menezes hielt man irrtümlich für einen der U-Bahn-Bomber, er wurde durch ein mobiles Einsatzkommando erschossen. Später stellte sich heraus, dass er ein völlig Unbeteiligter war. Insbesondere die U-Bahn-Anschläge von 2005 haben die Stärken und Schwächen der Videoüberwachung deutlich gemacht. Das Attentat wurde durch die Kameras nicht verhindert, aber die Täter konnten mittels der Überwachungsaufnahmen identifiziert werden.
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