London und seine Umwelt

Der sprichwörtliche Londoner Nebel gehört seit Jahrhunderten zum Bild der Stadt. Graue, verhangene Straßenzüge, in denen sich Jack the Ripper im dichten Dunst geschickt verstecken konnte. Manch sensibler Zeitgenosse floh angeblich gar vor der grauen Suppe, und suchte Trost und Erholung bei einer Landpartie.

Von diesem Wetterphänom soll hier nicht die Rede sein. Denn Industrialisierung und Mobilität haben der Stadt ganz andere Umweltprobleme beschert, so dass London kürzlich zur zweitschmutzigsten Stadt Europas gekürt wurde. Ein trauriger Erfolg. Doch es scheint sich etwas zu tun, denn mittlerweile sind die Verschmutzungsprobleme auch im Bewusstsein der Stadtväter angekommen. Londons Bürgermeister ist seit Mai 2008 der Konservative Boris Johnson, der konkrete Pläne zur Beseitigung der Luftverschmutzung hat.

Bereits im fünfzehnten Jahrhundert litten die Londoner unter verschmutzter Luft, hervorgerufen durch das Heizen mit Kohle und den Gestank der Urinrinnen in den Straßen. Deshalb setzte man sich im siebzehnten Jahrhundert für einen so genannten grünen Gürtel und duftende Hecken in der City ein. Die Viktorianer betitelten ihre Stadt als ‚The big Smoke’ und waren davon überzeugt, dass sie eher an der Luftverschmutzung als in einem Verkehrsunfall sterben würden. Mit dem zwanzigsten Jahrhundert traten dann verstärkt Smogprobleme auf. Mit Smog bezeichnet wird eine Mischung aus Industrieabgasen und Hausbrand, die sich aufgrund eines relativ geringen Luftaustausches bei gleichzeitig hohem Schadstoffausstoß entwickelt.

In den 50er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts lag London fünf Tage lang unter einer dichten Smogschicht. Auch zu Beginn des dritten Jahrtausends hat London seine Umweltproblematik noch nicht gelöst, obwohl bekannt ist, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Luftverschmutzung auf die in der Stadt lebenden Menschen hat. Man schätzt, dass etwa eintausendsechshundert Menschen pro Jahr an den Folgen der Verschmutzung sterben. Auch eine steigende Asthma-Erkrankungsrate, insbesondere bei Kindern, wird darauf zurückgeführt.

Mittlerweile ist eine öffentliche Diskussion angeregt worden, die vor allem Privatleute zur verstärkten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bewegen soll. Eine wirkliche Lösung kann jedoch nur erzielt werden, wenn Politik, Industrie und Öffentlichkeit Hand in Hand arbeiten.

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